Das hier ist die Fortsetzung zu einem früher veröffentlichten Text, den du hier findest: https://www.valco.fi/blogs/tuotekokeilut/valcon-suuri-kuulokeodysseia-2019

Valco Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung

Was muss man also beachten, wenn man anfängt, Kopfhörer zu entwerfen? Anders gesagt: Welche Eigenschaften machen einen Kopfhörer gut? Und noch genauer: Was macht Kopfhörer großartig?

Nun ja, mit Kopfhörern hört man hauptsächlich Musik, und eine ordentliche Wiedergabe weckt Gefühle, die größer sind als das Leben, plus so herrlich amateurhafte Begeisterungsanfälle. Also ist die wichtigste Eigenschaft natürlich guter Klang. Und „gut“ reicht nicht. Auf dem Markt gibt’s haufenweise ganz ordentlich klingende Kopfhörer – wenn man nur zäh genug ist und sich zwischen all den Myriaden an Monstern durchwühlen kann. 

Und genau da sind wir dann wie David losmarschiert, um Goliaths umzulegen.

Als Erstes habe ich aus meiner Sammlung meine Lieblings-Hi‑Fi-/Spitzenklasse-Kopfhörer hervorgekramt und außerdem die Marktführer bei Kopfhörern mit aktiver Geräuschunterdrückung und Funk zusammengesammelt, gegen die ich unsere Modelle dann abzustimmen begann. Und ja: Wir reden hier von Vergleichsgeräten in der Preisgegend von 300–1500 €.

Ich habe beschlossen, dass ich mich nicht zufriedengebe, bevor unsere eigenen Hörer wenigstens ein bisschen dieses „Wow, was zur Hölle“-Gefühl erzeugen wie die besten Vergleichsgeräte. Es geht also um einen gleichmäßigen Klangabgleich und Natürlichkeit über den ganzen Hörbereich sowie darum, nervige Resonanzen und Verzerrungsanteile zu minimieren. Mit einem Wort: Klarheit. Klarheit ist nicht nur bei Musik herrlich, sondern auch bei Hörbeiträgen und Hörbüchern – wenn dir die Person quasi direkt ins Ohr spricht, statt im Abstellraum in ein Kissen zu nuscheln.

Und auch wenn die Aufgabe wirklich nicht leicht war und die Latte hoch lag: Das Ergebnis ist sogar deutlich besser, als ich mich überhaupt zu hoffen getraut habe. 

Klang, Trennschärfe und Raumabbildung von diesen Dingern wischen den Boden mit allen konkurrierenden Funk-Kopfhörern mit Geräuschunterdrückung – und sie fordern klanglich sogar ziemlich fähige Hi‑Fi-Modelle der höheren Klasse heraus. Klingt nach Werbegelaber? Dann geh in den Laden und probier’s selbst. Hab ich auch so gemacht. Wenn du bessere findest, höre ich gern davon.

So viel muss man noch präzisieren: Diese Kopfhörer haben eigentlich drei verschiedene Klangbilder. Ganz passiv, am Kabel, klingen sie gut und etwas weicher als drahtlos im aktiven Betrieb – da wird’s dann hervorragend trennscharf. Und wenn man dann noch die Geräuschunterdrückung einschaltet, fängt der Klang richtig an zu glänzen. Sprich: Die Klangbilder sind danach eingerichtet, wie Menschen die Teile tatsächlich benutzen. 

Zum Beispiel am Kabel ist der Klang weicher als drahtlos, und das hat einen angenehm schrägen Vorteil: In Heim- oder sonstigen Tonstudios braucht man bei Aufnahmezeug eine verzögerungsfreie Nullverzögerung – da ist das Kabel die einzige vernünftige Wahl. Und wenn du etwa eine Bassspur aufnimmst und daneben ein Schlagzeuger die Felle rotgesichtig malträtiert, hilft die Geräuschunterdrückung gegen den Krach natürlich sehr – aber trotzdem dreht man die Lautstärke am Kopfhörer schnell deutlich höher als normal. Und wenn der Abhörklang in den Aufnahmekopfhörern nicht so „angespannt“ ist, hält man’s länger aus – und die Haarzellen im Ohr sagen danke.

Ja ja. Über sowas hat man schon ziemlich viel nachgedacht.

Für das Abstimmen des Klangs ist in diesem Projekt also die zweitmeiste Zeit draufgegangen.

Valco Labor

Und wofür ging noch mehr drauf? Für die Vorarbeit.

Bis heute haben Valcos muntere Jungs eine irre Menge an Fabriken und deren Vorserienmuster durchgekämmt; daraus wurden mit gnadenlosem Aussortieren die allerbesten Ideen herausgepickt, auf deren Basis wir das Ganze dann mit finnischer Muskelkraft zu einem fertigen Erzeugnis weiterentwickelt haben. Und es reicht übrigens nicht, dass eine bestimmte Fabrik uns gute Bauteile liefern kann – man muss auch sicherstellen, dass sie das auch künftig können und dass Güte und Kenndaten gleichbleibend sind. Jede Lieferung muss genauso gut sein. Die Welt geht in mittelmäßigem Einwegmist unter, und wir haben null Bock, Teil dieser Entwicklung zu sein.

Die Belastungsprüfungen habe ich so erledigt, dass ich einen Haufen Vorserienmuster ohne Schutzhülle an Leute aus dem Tonbereich gegeben habe, auch bekannt als Bühnenhelfer, und ihnen gesagt habe, sie sollen die Dinger auf Tour einfach sorglos benutzen. Davon ist genau ein Paar kaputtgegangen. Ich kann nicht ins Detail gehen, aber beteiligt waren unter anderem ein Lastkraftwagen, Bühnengerüste und Hochspannung.

Bühnenhelfer sind ziemlich schöpferisch, wenn es ums Kaputtmachen geht. Fast genauso schöpferisch wie beim Reparieren.

So. Klang sitzt, und die Teile überstehen einen mittelgroßen Atomkrieg. Was ist bei Kopfhörern sonst wichtig? Na: Ergonomie und Bedienbarkeit!

Die Konkurrenz hat an ihren Hörern alle möglichen schicken Spielereien und Programmierbarkeit, aber die Wahrheit ist: Menschen wollen Kopfhörer, die man mit einem Knopf einschaltet und die bequem auf dem Kopf sitzen. Alle möglichen Berührungsschalter und die magischen Handzeichen vom Zauber‑Jimi wirken im Laden und in Netzvideos vielleicht supercool, aber versuch das mal verschwitzt beim Lauftraining – oder mit Fäustlingen an den Händen, Gesicht eingefroren bei Winterfrost. 

Ein paar Vorserienmuster fingen an, ungefragt Rechnerprogramme zu steuern. Und nicht mal im Mittsommerfeuer haben sie besonders gut gebrannt. Mein Motto ist: „Keep it simple, stupid!“ 

Deshalb gibt’s hier einen Knopf: einschalten, mit dem Netz verbinden, ausschalten. Einen zweiten Knopf für die Geräuschunterdrückung sowie die Lautstärkeregelung. Und das lässt sich im Winter auch mit Handschuhen bedienen.

Optisch sind die ziemlich chinesisch. Das liegt schlicht an Geld und Prioritäten. Kunststoffformen kosten zehntausende Euro, und ein eigenes Aussehen hätte locker hunderttausend nur für den Start der Fertigung verschlungen. Darum haben wir uns beim Aussehen darauf beschränkt, das an sich funktionierende Aussehen der Chinesen nur umzubauen. Natürlich haben wir davon das Beste ausgewählt.

Wir wollten etwas klar Finnisches an den Kopfhörern, also bekommen sie in Finnland handgefertigte Holz-Endstücke mit Valco-Logo. Das ist so eine Art „Alltagsluxus“.

Stattdessen haben wir in die Innereien investiert: in die Akkulaufzeit, mit der man Tage schafft, sogar eine Woche. Und in Qualcomms neueste und (vom Preis‑Leistungs‑Verhältnis her) beste Funktechnik im Funkbaustein. Auch das ist wieder aus echten Bedürfnissen heraus abgestimmt: Wenn man die Geräuschunterdrückung einschaltet und ein Hörbuch laufen lässt, muss man die ganze Zweizimmerwohnung saugen können, selbst wenn das Telefon im Flur liegt. Ja. Und es gibt auch eine Freisprecheinrichtung, mit der auch ganz persönliche Anrufe bei „Marjatta“ klappen, falls es dazu kommt.

Auch die Verzögerung ist so weit runtergeschliffen, dass die Bild‑Ton‑Gleichlauf in Filmen erhalten bleibt und sogar beim Spielen.

Warum sind die dann nicht komplett in Finnland gemacht? Know-how und Können gibt’s hier doch genug! Ja, gibt’s auch – aber eine Entwicklung von Null an braucht Zeit und ist überraschend teuer. Sagen wir mal so durchs Schilf geflüstert: Da raschelt es schon, und unsere langfristige Vision ist es, Kopfhörer komplett von Anfang bis Ende finnisch zu bauen – sobald wir erst mal überhaupt irgendwo anfangen.

Ach ja, und habe ich schon erwähnt, dass die Kopfhörer auch eine verdammt schneidig abgestimmte Geräuschunterdrückung haben?

Wir wollten daraus keine Null‑Sinnes‑Kapseln machen, die einen von der Außenwelt abschneiden. Eine Plage unserer Zeit ist ja genau das: Leute trotten mit Kopfhörern mit Geräuschunterdrückung im Verkehr herum und landen dann wie nichts, dir nichts zum Beispiel unter dem Zug, weil sie ihre Umgebung nicht mehr wahrnehmen.

Der Sinn der Geräuschunterdrückung ist in Wirklichkeit nicht, den Nutzer von der Umgebung zu isolieren, sondern das allgegenwärtige Brummen, Rauschen und Surren so weit abzusenken, dass es einem einfach besser geht – und man die Musik nicht so laut drehen muss, dass sie den Umgebungslärm nur noch überdeckt. 

Unsere Geräte sind so eingestellt, dass das allgemeine Brummen deutlich abnimmt und man sich entsprechend wohler fühlt. Aber man kann mit den Dingern auf dem Kopf trotzdem seine Umgebung wahrnehmen – damit man zum Beispiel nicht stirbt. Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung sind besonders gut auf Reisen, egal ob das Verkehrsmittel ein Flugzeug ist oder ein Dieselmersedes aus den Achtzigern.

Wir haben auch daran gedacht, dass schlecht gemachte Geräuschunterdrückung bei Menschen Schwindel und Übelkeit auslösen kann. Ohne zu sehr in technische Einzelheiten zu gehen, kann ich stolz feststellen: Die Geräuschunterdrückung von diesen Dingern ist nicht schlecht gemacht.

Man kann eigentlich nicht begreifen, wie sehr gut gemachte Geräuschunterdrückung die Lebensqualität verbessert – bevor man es ausprobiert.

Je weiter unser Kopfhörerprojekt vorankommt, desto mehr Informationen schieben wir nach. Aber bis dahin lohnt es sich, sich hier anzumelden für Valcos E‑Post‑Liste.

Jasse Kesti bei der Arbeit