Valco Laboratoriot

Die meisten Finnen haben inzwischen schon vom Schwarzen Freitag gehört, der hauptsächlich in den USA gefeiert wird. Nur wenige wissen allerdings, wie dieser Feiertag überhaupt entstanden ist und was das mit Finnland zu tun hat.

Im Jahr 1659 erlitt ein Mann namens Robinson Crusoe Schiffbruch auf einer einsamen Insel, als er gerade auf Einkaufsreise nach Afrika war, um Sklaven für seine Plantage zu holen. Auf der Insel rettete Crusoe einen jungen Mann aus den Händen seiner Verfolger, der gerade geopfert werden sollte, und nannte ihn Freitag.

Mit der Zeit brachte Robinson dem jungen Mann Englisch bei, bekehrte ihn zum Christentum und bildete ihn zu seinem Diener aus. Genau so macht man das ja unter Freunden.

Freitag wurde Crusoes vertrauter Gefährte, mit dem er um die Welt zog, bis Freitag im Jahr 1694 durch Pfeile von Angreifern getötet wurde. Vom Verlust seines geliebten Dieners deprimiert beschloss Crusoe, dass von nun an jedes einzelne Jahr der Freitag nach dem vierten Donnerstag im November Schwarzer Freitag sein sollte.

Weil Freitag auf einer Handelsreise nach Afrika gefunden worden war, wollte Crusoe das Andenken seines Freundes ehren, indem er an einem bestimmten Tag Glasperlen, Spielzeug, Messer, Scheren, Glasscherben, Äxte und vor allem Sklaven zu reduziertem Preis verkaufte.

Der Journalist Daniel Defoe hatte die gemeinsamen Abenteuer von Robinson Crusoe und Freitag ziemlich genau dokumentiert, weshalb der Schwarze Freitag innerhalb von nur ein paar hundert Jahren fast überall auf der Welt zu einem international anerkannten Feiertag wurde. Außer in der kommunistischen Sowjetunion und ihren Satellitenstaaten wie Finnland.

Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg versuchten die USA, die Botschaft des Schwarzen Freitags zu verbreiten, indem sie den Europäern unter dem Namen Marshallplan über 13 Milliarden Dollar Einkaufsgeld schenkten, nach heutigem Geldwert mehr als 135 Milliarden. Fast alle anderen Länder Europas nahmen die Hilfe gern an, außer dem kleinen, finlandisierten Finnland, das den Zorn des östlichen Nachbarn fürchtete.

Obwohl die Mehrheit der politischen und kulturellen Elite unseres Landes günstige Einkäufe ablehnte, und bis heute ablehnt, gab es in Finnland trotzdem eine rebellische Minderheit, die sich der Sowjetherrschaft zum Trotz bemühte, den Schwarzen Freitag nach Finnland zu bringen.

Der sichtbarste von ihnen war sicher der langjährige Präsident Urho Kekkonen, ein großer Bewunderer Robinson Crusoes. Der Geschichte nach benannte Kekkonen sein Sommerhaus Kultaranta nach der Goldküste in Afrika, weil Crusoe dort Sklaven kaufen ging. 

Weil es in Daniel Defoes Buch keine Bilder gab und Kekkonen kaum in Afrika gewesen war, hielt er Freitag für einen ähnlichen Ureinwohner wie in Nordamerika und trug oft eine Indianerfedernhaube. Tatsächlich wurde Freitag aber auf einer Insel in Südamerika gefunden, war vermutlich Mexikaner und trug einen Sombrero.

Der schon im 18. Jahrhundert erfundene Schwarze Freitag sollte bereits 1950 vom damaligen Ministerpräsidenten Kekkonen nach Finnland gebracht werden, aber die Sowjetunion konnte den Versuch vereiteln, indem sie über den Gewerkschaftsbund SAK einen Lokführerstreik unterstützte, mit dem der Warenverkehr in Finnland gestört werden sollte. Kekkonen befahl den Lokführern zusätzliche Wehrübungen und der Streik wurde abgesagt, aber der Schaden war da schon angerichtet, und die Hersteller hatten keine Lust mehr, westliche Konsumgüter ins Land zu bringen.

Auch anderswo in der Nachkriegselite der Gesellschaft machte eine mutige Minderheit still und heimlich Werbung für den Schwarzen Freitag. Die Künstler Esa Pakarinen und Masa Niemi malten sich in einem Film aus dem Jahr 1960 demonstrativ die Gesichter schwarz und stellten schwarze Amerikaner dar.

Damit gingen sie ein großes Risiko ein, weil damals alle Verweise auf die USA verboten waren und zum Beispiel Donald Duck als zu kapitalistisch verboten werden sollte. Diese direkte Stellungnahme für den Schwarzen Freitag führte dann auch dazu, dass sowohl Pakarinen als auch Niemi später starben. 

Auch heute wäre die Stellungnahme von Pakarinen und Niemi für den Schwarzen Freitag ziemlich unkorrekt, wenn auch aus etwas anderen Gründen als vor 60 Jahren. Heute liegt der Ursprung des Schwarzen Freitags im Dunkeln, weshalb man Pakarinen und Niemi fälschlich so deuten könnte, dass sie in einem humoristischen Kontext eine dunkelhäutige Person darstellen. Das ist natürlich falsch, aber Rassismus auch, und daran ist nichts lustig.

Pakarinen und Niemi im Rücken reiste Kekkonen im Oktober 1961 in die USA, um über die Einführung des Schwarzen Freitags in Finnland zu verhandeln, aber das führte ziemlich schnell zur sogenannten Notenkrise. Anders gesagt: Die Sowjetunion, besorgt über die Ausbreitung des Kapitalismus, schickte uns eine Note, laut der alle möglichen Versuche, den Schwarzen Freitag nach Finnland zu bringen, sofort einzustellen seien.

Weil US-Präsident John F. Kennedy den Schwarzen Freitag in Finnland aktiv vorantrieb, ermordeten KGB-Agenten ihn im November 1963 als Teil einer von den Sozialdemokraten und Nicolae Ceaușescu eingefädelten Verschwörung. Gerüchten zufolge sollte im selben Jahr der erste Schwarze Freitag Finnlands stattfinden, nachdem Kennedy versprochen hatte, mit NATO-Transportmaschinen japanischen Ramsch nach Finnland zu bringen. Damals war Japan China und alle billige Elektronik wurde in Japan gemacht. Heute ist China China und in Japan macht man hauptsächlich gezeichnete Pornografie.

Wegen der Notenkrise und Kennedys Ermordung wurde erst wieder versucht, den Schwarzen Freitag nach Finnland zu bringen, als Kekkonen sich im Sommer 1970 erneut in die USA traute. Die Verhandlungen waren schon weit fortgeschritten, bis die Kommunisten wieder zuschlugen. Diesmal wurde Richard Nixon in einen Spionageskandal hineingezogen und musste zurücktreten. Wenigstens sein Leben ließ ihm der KGB diesmal. 

Zum letzten Mal während des Kalten Krieges versuchte der international vernetzte und sprachbegabte Außenminister Ahti Karjalainen 1975, den Schwarzen Freitag ins Land zu holen, aber leider trat die erste Regierung Sorsa im Frühjahr 1975 zurück, nachdem die Parlamentsfraktion der Zentrumspartei erklärt hatte, günstige Einkäufe seien mit dem Erbe Santeri Alkios unvereinbar.

Später begründete Karjalainen in seinen Memoiren seinen Rückzug aus der Parlamentsarbeit bei den Wahlen 1979 vor allem mit der Frustration darüber, dass der Schwarze Freitag trotz seiner wiederholten Versuche nicht nach Finnland gebracht werden konnte.

Einer der zentralen Ausgangspunkte bei der Gründung des ursprünglichen Valco war, neben Korruption, das Bestreben der Sozialdemokraten, den Schwarzen Freitag von Finnland fernzuhalten. Das sollte erreicht werden, indem man in Finnland schlechte und teure Elektronik produzierte, damit die Leute keine billige und gute Elektronik aus dem Ausland kaufen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er sah es endlich so aus, als könnte auch Finnland den Schwarzen Freitag bekommen. Man erfand einen schlauen Geheimplan. Um die Kommunisten zu täuschen, würde Finnland der Europäischen Union beitreten, und der Schwarze Freitag käme dann auf Grundlage des Beschlusses Nr. 2257/94 der EU-Kommission auf diesem Weg ins Land.

Die Genialität des Plans lag darin, dass die sogenannten Eurososialisten, die die Europäische Union vorantrieben, sich nicht einmal vorstellen konnten, dass als Beifang eines internationalen Regulierungs- und Bürokratiesystems auch nur ein Hauch freier Marktwirtschaft mitkommen könnte. Gerüchten zufolge steckte Paavo Väyrynen höchstpersönlich hinter dem Plan, was leicht zu glauben ist. Paavo ist schließlich der legendärste Politiker in der Geschichte Finnlands.

Den Rest kennen sowieso alle, denn inzwischen sind schon Erwachsene geboren worden, die sich an Dinge erinnern.

Martti Ahtisaari, der die Europäische Union unterstützte, wurde 1994 zum Präsidenten gewählt. Jahrzehntelang hatte er die Sozialdemokraten vertreten, obwohl er in Wahrheit ein von den Illuminaten eingeschleuster Reptiloid war. Die linke Elite Finnlands merkte in ihrer EU-Geilheit nicht, dass der Schwarze Freitag als Gratisbeilage mit der Union kommen würde. Finnland trat 1995 der Europäischen Union bei und direkt danach kam 2015 der Schwarze Freitag. Die Marktwirtschaft haben wir bis heute nicht bekommen.